Kunstausflug nach Rheinfelden

Auch dieses Jahr bot die reformierte Kirche Surbtal wieder den von Elisabeth Heuberger geleiteten Ausflug zu sehenswerten Kirchen an. Eine interessierte Gruppe folgte der Einladung und machte sich auf den Weg nach Rheinfelden, wo alle drei Landeskirchen vertreten sind.

Nach der Ankunft am Bahnhof war die reformierte Kirche schnell erreicht. Der markante Bau steht erhöht über einer Strassenkreuzung ausserhalb der Altstadt. Er konnte 1894/95 dank Spenden realisiert werden. Nach mehrmaligem Umbau wirkt das Innere schlicht und einladend. Die verschiebbare Bestuhlung erlaubt unterschiedliche Nutzung. Der Hauptschmuck ist die dreiteilige Glasmalerei von Felix Hoffmann. Nach Rupperswil war es 1941 der zweite Auftrag an den noch jungen Aarauer Künstler. In einem kräftigen Zweiklang, rot-blau, noch ganz an die Tradition der Gotik, steht im Zentrum die Kreuzigung, darunter würfeln die Soldaten um Jesu Kleider. Im linken Fenster sehen wir die trauernden Frauen, im rechten den als  Ritter gekleideten Lieblingsjünger. In Pflanzen- und Tierdarstellungen wird Felix Hoffmanns Liebe zur Natur sichtbar. Die Chorwand schmückt ein zweiteiliges Gemälde der Rheinfelder Künstlerin Doris Horvath. Weitere Glasmalereien sind unbekannter Herkunft.

Ganz in der Nähe, zwischen Stadtpark und Altstadt, steht die katholische Kirche St. Josef. Nachdem sich 1872/73 die Rheinfelder Katholiken von Rom losgelöst und zum Altkatholizismus konvertiert hatten, übernahmen sie die Stadtkirche St. Martin. Die wenigen in der römisch-katholischen Tradition verbliebenen Gläubigen mussten eine neue Lösung suchen. Ihre heutige Kirche konnte 1948-1950 nach Plänen des Badener Architekten Alois Moser gebaut werden. Das grosszügige Innere strahlt Ernst und Würde aus. Drei weisse Bodenplatten im Mittelgang mit Symbolen der Trinität, Alpha und Omega und des Abendmahls leiten den Besucher nach vorne zum Altarraum und zum grossen Chorwandbild des Appenzeller Künstlers Johannes Hugentobler. Es stellt das Himmlische Jerusalem dar, den friedvollen Zustand vor den Toren und Palästen Jerusalems nach dem letzten Gericht. Vertreter und Vertreterinen aller Schichten und Zeiten werden geführt und begleitet von Maria, den Patriarchen und Propheten, aber auch von Aposteln und Kirchenfürsten des neuen Bundes, gefolgt von Menschen aus unserer Zeit. Das wandfüllende Bild in warmen Farben lässt niemanden unberührt.

Danach ging es hinunter an den Rhein, wo am Eingang zur Altstadt die renovierte Johanniterkapelle steht. Sie gehörte zu einer der frühesten und reichsten Johanniterkommenden am Oberrhein. Die wiederentdeckten und restaurierten mittelalterlichen Wandmalereien faszinieren die Besucher noch heute. Auf der Chorbogenwand wird das Jüngste Gericht dargestellt, im Zentrum Christus mit Schwert als Weltenrichter auf dem Regenbogen, zu seiner Rechten die Auserwählten, die von Petrus ins Himmelreich geführt werden, zu seiner Linken die Verdammten, die von struppigen Teufeln gepackt und ins Höllenfeuer geworfen werden. Im Chorraum entdeckt man einen schönen Christophorus, ein Sakramentenhäuschen und kleinere Glasfenster von Felix Hoffmann.

Inzwischen war es Zeit für die Mittagspause. Rheinfelden als älteste Stadt des Aargaus mit ihren gepflegten Gassen bietet viele Möglichkeiten zum Einkehren. Der grössere Teil der Gruppe genoss das Zusammensein bei einer einfachen Mahlzeit in der Confiserie Graf direkt am Rhein, einen kurzen Spaziergang auf die Brücke und durch die Gassen.

Der Nachmittag war für die Stadtkirche St. Martin mitten in der Altstadt reserviert. Sie geht auf das 11. Jahrhundert zurück und gilt mit ihrer barocken Ausstattung als die reichste Kirche der Nordwestschweiz. Sie war Sitz eines Chorherrenstifts und gehört seit 1873 den Christkatholiken. Drei Jahre später wurde hier der erste christkatholische Bischof der Schweiz geweiht. Die Gruppe wurde von Herrn Pfarrer Feenstra herzlich empfangen und in die Geschichte der christkatholischen Bewegung eingeführt. Er erklärte auch den Kirchenbau, die reichen Stuckornamente, die Altäre und die Deckenfresken. Danach durfte der normalerweise für Besucher geschlossene Chorraum mit dem Chorgestühl und dem Hochaltar betreten werden. Hinter dem Altar ist das originale historische Hungertuch aufgerollt, das während der Fastenzeit noch heute den Hauptaltar abdeckt. In der Sakristei konnte der kostbare Kirchenschatz mit Kelchen, Schalen, Reliquiaren und Monstranzen bewundert werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienten die kostbaren Textilien aus dem einmaligen Paramentenschatz, die auch heute noch in der Messe gebraucht werden, wie Herr Feenstra zur Freude aller gleich vordemonstrierte. Leider verging die Zeit viel zu schnell; man hätte noch lange zuhören und schauen können.

Mit vielen neuen Eindrücken gelangte die Gruppe mit Zug und Bus ins Surbtal zurück.

Elisabeth Heuberger

Quelle Bilder: Elisabeth Heuberger & Anita Sieber Hagenbach

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